Achtzehn Monate nach der Annahme unserer ersten Streitfälle zeigt unser zweiter Transparenzbericht die klare und wachsende Notwendigkeit einer unabhängigen Überprüfung von Social-Media-Entscheidungen.
In den zwölf Monaten, die dieser Bericht abdeckt (April 2025 bis März 2026),9 haben wir mehr als 24.000 Streitfälle von Personen und Organisationen in der gesamten EU erhalten. Mehr als die Hälfte davon waren berechtigte Streitfälle, was bedeutet, dass sie in unseren zertifizierten Zuständigkeitsbereich fielen und ausreichende Informationen für ihre Bearbeitung enthielten.10 Wir verzeichneten einen deutlichen Anstieg der Streitfälle und erhielten im März 2026 neunmal so viele berechtigte Fälle wie im April 2025.
Wo wir den fraglichen Inhalt überprüfen konnten, stimmten wir im Durchschnitt in 59 Prozent der Fälle nicht mit der Entscheidung der Plattform überein. Sowohl in Bezug auf Inhalte, die entfernt wurden (in 52 % der Fälle haben wir die Entscheidung der Plattform aufgehoben), als auch in Bezug auf potenziell richtlinienverletzende Inhalte, die online belassen wurden (in 63 % der Fälle haben wir die Entscheidung der Plattform aufgehoben), haben wir in mehr als der Hälfte der Fälle zugunsten des Nutzers entschieden. Dies zeigt, wie wichtig Streitbeilegungsstellen sind, wenn es darum geht, Nutzern dabei zu helfen, sowohl Entscheidungen der Plattformen zur Löschung ihrer Inhalte als auch die Beibehaltung schädlicher Inhalte in sozialen Medien anzufechten.
Durch unsere Entscheidungen werden allmählich Muster erkennbar, die auf markante und immer wiederkehrende Probleme bei der Moderation von Inhalten durch Social-Media-Plattformen hindeuten. In 70 % der Fälle, in denen Plattformen Inhalte online belassen haben, nachdem sie als Hassrede gemeldet wurden, stimmten wir mit der Entscheidung der Plattform nicht überein. Dazu gehörten Fälle von hasserfüllten Inhalten, die sich gegen Roma, Migranten, LGBTQI+-Communities und religiöse Minderheiten richteten. Auch in rund zwei Dritteln (65 %) der Fälle, in denen Plattformen Inhalte wegen Verstoßes gegen ihre Richtlinien zu eingeschränkten Waren und Dienstleistungen entfernt haben, stimmten wir mit dieser Entscheidung nicht überein.
Zwar trägt unsere Arbeit dazu bei, Muster zu erkennen, die auf eine fehlerhafte Umsetzung der Richtlinien der Plattformen hinweisen, dennoch gibt es immer noch einige Herausforderungen, um die außergerichtliche Streitbeilegung effizienter und effektiver zu gestalten. Bedauerlicherweise hat sich der Anteil der Fälle, in denen wir Inhalte von Plattformen erhalten, nicht weiter erhöht. In der überwiegenden Mehrheit der Fälle im Zusammenhang mit Kontosperrungen sind Plattformen nicht in der Lage oder nicht willens, die Inhalte bereitzustellen, die es uns ermöglichen, ihre Entscheidungen unabhängig zu überprüfen.
Dies führt derzeit zu einer Vielzahl von Standardentscheidungen, bei denen eine Plattform die Inhalte für einen berechtigten Fall nicht bereitstellt und wir eine Verfahrensentscheidung zu Gunsten des Nutzers treffen. Jede Woche erhalten wir Nachrichten von frustrierten Nutzern, die verständlicherweise das Gefühl haben, dass dieses Verfahren hinter ihren Erwartungen zurückbleibt. Plattformen müssen dies ändern, indem sie uns die Inhalte übermitteln und sicherstellen, dass Nutzer in der EU Entscheidungen zur Kontosperrung gemäß dem DSA anfechten können.
Zusammen mit Plattformen, nationalen Aufsichtsbehörden, der Europäischen Kommission und natürlich den Nutzern selbst ist es unser Ziel, sicherzustellen, dass die Streitbeilegung für Menschen und Organisationen in der EU funktioniert.
1.Der hier abgedeckte Zeitraum (April 2025 bis März 2026) überschneidet sich mit dem Zeitraum unseres letzten Transparenzberichts (November 2024 bis August 2025), da wir in diesem Bericht Daten für ein volles Jahr bereitstellen wollten.
Weitere Informationen zum Zuständigkeitsbereich des Appeals Centre finden Sie in unseren Verfahrensregeln.